Energie- und Wärmeplan
Bis zum 30. Juni 2028 muss die Stadt Haan eine kommunale Wärmeplanung laut Wärmeplanungsgesetz (WPG) und Landeswärmegesetz Nordrhein-Westfalen (LWPG) vorlegen.
Zudem soll in Haan gemäß dem Integrierten Klimaschutzkonzept, dass 2021 und 2022 entwickelt wurde, eine Erneuerbare Energien-Strategie erstellt werden.
Im Rahmen einer integrierten Energie- und Wärmeplanung werden beide Konzepte miteinander verknüpft betrachtet. Die Stadt Haan denkt damit über den klassischen Ansatz hinaus und ist somit bestens vorbereitet für die kommenden Herausforderungen im Transformationsprozess des Energie- und Wärmesektors.
Für weitere Informationen zum Thema Sektorenkopplung sehen Sie dazu das Infovideo der Agentur für Erneuerbare Energie e.V. .
In Kooperation mit der BMU Energy Consulting GmbH stellt sich Haan dieser Herausforderung. Die Erstellung einer klassischen kommunalen Wärmeplanung dauert in der Regel mehrere Monate bis etwa anderthalb Jahre. Der genaue Zeitraum hängt von der Datenlage und der Komplexität der örtlichen Energie- und Gebäudestruktur ab.
Zunächst werden bestehende Verbräuche, Gebäude- und Versorgungsdaten erhoben und analysiert. Anschließend werden verschiedene Zukunftsszenarien entwickelt und mit der bestehenden Infrastruktur abgestimmt. Die kommunale Wärme- und Energieplanung erfüllt die Struktur und alle gesetzlichen Vorgaben der kommunalen Wärmeplanung: Bestandsanalyse, Potenzialanalyse, Zielszenario, Einteilung in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete sowie Wärmewendestrategie mit Maßnahmen.
Am Ende steht ein strategischer Plan für die Transformation im Energie- und Wärmesektor bis in das Jahr 2045, der ein strategisches planerisches Instrument darstellt. Die Umsetzung des Plans wird dann nach und nach angegangen und kann bzw. soll durch Fortschreibung der Planung angepasst und nachgesteuert werden. Dieser Prozess erfordert sorgfältige Abstimmung mit Fachplanern, Energieversorgern und der Öffentlichkeit. Die Ergebniss dienen als integrierter Orientierungsrahmen für die ganzheitliche Energiewende in Haan.
Wir werden Sie auf diesen Seiten über den aktuellen Stand im Prozess informieren. Der Prozess erfolgt in mehreren Schritten, die aufeinander aufbauen und nacheinander erarbeitet werden, teilweise aber auch parallel ablaufen.
Bürgerinnen und Bürger sowie lokale Akteure werden beteiligt und über den Planungsprozess informiert. Über die E-Mail-Adresse waermeplanung@stadt-haan.de können Sie Fragen stellen und Anregungen mitteilen.
Ablauf der kommunalen Energie- und Wärmeplanung
Der Ablauf orientiert sich an den gesetzlich definierten Bausteinen der kommunalen Wärmeplanung. Dazu gehören die Analyse des Bestandes, das Aufzeigen lokaler Potenziale zur Nutzung erneuerbarer Energien und unvermeidbarer Abwärme, die Untersuchung von Zielszenarien sowie die Entwicklung einer Wärmewendestrategie mit konkreten Maßnahmen. Für Haan wird dieser Prozess um eine integrierte Energieperspektive ergänzt.
Die zukünftige Wärmeversorgung wird über zwei Hebel gestaltet:
- Der Wärmebedarf soll durch Einsparmaßnahmen, insbesondere durch energetische Gebäudesanierung und Effizienzsteigerungen, möglichst reduziert werden.
- Der verbleibende Bedarf soll schrittweise durch erneuerbare Energien, Abwärme und effiziente Versorgungslösungen gedeckt werden. Da diese Transformation eng mit der Strom- und Infrastrukturplanung verbunden ist, betrachtet Haan die Wärmeplanung bewusst integriert.
Die wesentlichen Projektbausteine sind im folgenden beschrieben:
Projektorganisation und Zieldefinition
- Aufbau der Projektstruktur
- Festlegung von Zuständigkeiten
- Einbindung politischer Gremien
- Definition von Klimazielen und Zeitrahmen
Bestandsanalyse
- Erfassung des aktuellen Wärmebedarfs – und verbrauchs und der daraus resultierenden Treibhausgasemissionen
- Analyse des Gebäudebestands
- Ermittlung bestehender Wärmenetze und Energieinfrastruktur
- Analyse eingesetzter Energieträger (Gas, Öl, Fernwärme, Strom etc.)
- Erfassung industrieller Abwärmequellen sofern vorhanden
- Erhebung und Auswertung der lokalen Stromerzeugung
- Erstellung von Energie- und Treibhausgasbilanzen nach Energieträgern und Sektoren
Potenzialanalyse
- Identifikation erneuerbarer Wärmequellen:
- Geothermie
- Solarthermie
- Biomasse
- Umweltwärme
- Untersuchung von Abwärmepotenzialen
- Bewertung von Energieeinspar- und Sanierungspotenzialen
- Prüfung von Potenzialen zur erneuerbaren Stromerzeugung
- Prüfung von Speicherpotenzialen und Sektorenkopplung
- Prüfung von Flächennutzungspotenzialen
Entwicklung von Zielszenarien
- Abschätzung zukünftiger Bedarfe
- Erstellung von Transformationspfaden bis 2045
- Vergleich verschiedener Versorgungsszenarien
- Prüfung verschiedener dezentrale und leitungsgebundene Versorgungsoptionen auf Ihre Eignung
- Abschätzung von Investitionen und CO₂-Minderungen
- Bewertung von Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit
- Definition eines geeigneten Zielszenarios
Wärmewendestrategie
- Definition konkreter Projekte
- Zeit- und Prioritätenplanung
- Finanzierungs- und Förderstrategie
- Verantwortlichkeiten für Umsetzung festlegen
Beschlussfassung und Veröffentlichung
- Politische Beschlussfassung im Rat
- Veröffentlichung der Wärmeplanung
- Dokumentation der Ergebnisse
Verstetigungskonzept
- Regelmäßige Überprüfung der Zielerreichung
- Aktualisierung von Daten und Maßnahmen
- Anpassung an technologische und regulatorische Entwicklungen
FAQ's zur Durchführung der kommunalen Energie- und Wärmeplanung
Wer ist die planungsverantwortliche Stelle?
Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet die Länder zur Anfertigung von Kommunalen Wärmeplänen. Um dieser Pflicht an die zuständigen Gemeinden weiterzugeben, müssen länderspezifische Wärmeplanungsgesetze erstellt werden, in denen die Kommunen zur Erstellung eines Kommunalen Wärmeplans verpflichtet werden. In den meisten Fällen ist also die Kommune die planungsverantwortliche Stelle. Diese kann zur Unterstützung der Erstellung des Wärmeplans Dienstleister hinzuziehen. Die Durchführung des Projekts liegt in Haan im Abteilung 70-3 Umwelt, Klima, Mobilität.
Welche Schritte beinhaltet die Kommunale Wärme- und Energieplanung?
Die gesetzliche Wärmeplanung läuft grundsätzlich in vier Schritten ab. Vorgelagert ist eine Eignungsprüfung zur Abschätzung von Ausschlussgebieten für Wärme- oder Wasserstoffnetze und zur Einschätzung der Möglichkeit einer verkürzten Wärmeplanung. In Haan werden diese gesetzlich vorgegebenen Schritte vollständig eingehalten und um eine integrierte energieplanerische Betrachtung ergänzt. Dadurch können Wechselwirkungen zwischen Wärmeversorgung, Stromversorgung, Gasinfrastruktur, erneuerbarer Erzeugung, Gebäudesanierung und Mobilität besser berücksichtigt werden.
Bestandsanalyse
- Der Status quo des zu untersuchenden Gebiets ist zu ermitteln
- Daten von Netzbetreibern, Schornsteinfegern sowie öffentliche Daten werden genutzt, um den Ist-Zustand der Kommune zu modellieren, mit Augenmerk auf Wärmebedarfe und -verbräuche, Energieerzeugung sowie Wärme-, Gas- und Strominfrastruktur.
Potenzialanalyse
- Potenziale von Erneuerbaren Energien, unvermeidbarer Abwärme, Wärmebedarfsreduktionen und energiewirtschaftlich relevanten Kopplungsmöglichkeiten werden quantitativ und räumlich untersucht und auf ihre Wirtschaftlichkeit sowie Verfügbarkeit geprüft.
- Das beinhaltet z.B. Flächen für Geothermie, Solarthermie und Photovoltaik, Umwelt- und Abwasserwärme, Abwärmen aus Gewerbe und Industrie sowie Möglichkeiten zur zentralen Wärmespeicherung und zur Kopplung von Wärme, Strom und Mobilität.
Zielszenarien
- Auf Basis der gesammelten Erkenntnisse werden Zielszenarien entwickelt, die die Klimaneutralität zum Zieljahr 2045 sicherstellen und zugleich die Wechselwirkungen zwischen Wärme, Strom, Gas, erneuerbaren Energien und Mobilität berücksichtigen.
- Dabei werden Meilensteine für die Jahre 2030, 2035 und 2040 festgelegt, die im Einklang mit den ausgewiesenen Wärmeversorgungsgebieten stehen müssen
- Diese werden auf ihre Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit untersucht
Wärme- und Energiewendestrategie
- Wärmeversorgungsgebiete werden definiert und die Möglichkeiten von Wärmenetzen, Wasserstoff-Infrastruktur oder dezentraler Versorgung beschrieben. Ergänzend werden energierelevante Wechselwirkungen, etwa mit Stromnetzen, erneuerbarer Stromerzeugung, Elektromobilität und Gebäudesanierung, eingeordnet.
- Die Ergebnisse werden räumlich differenziert aufbereitet und dargestellt
- Eine Umsetzungsstrategie mit konkreten Maßnahmen zur Wärme- und Energiewende wird entwickelt.
Weiter ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der entstandene Wärmeplan in regelmäßigen Abständen überarbeitet werden muss, um auf Änderungen im Energiemarkt und der Infrastruktur reagieren zu können. Dadurch wird der Wärmeplan stets aktuell gehalten und orientiert sich an den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort. In Haan soll der Prozess zugleich als Grundlage für eine dauerhafte kommunale Wärme- und Energieplanung dienen. Es ist vorgesehen, eine Organisationsstruktur zu etablieren, die alle beteiligten Akteure berücksichtigt, um einen konstanten Monitoring-Prozess zu ermöglichen.
Welche Daten werden zur Erstellung des Wärmeplans und der integrierten Energiebetrachtung genutzt?
Die planungsverantwortliche Stelle ist berechtigt, die für die Erstellung des Wärmeplans nötigen Daten bei den jeweiligen beteiligten Akteuren abzufragen. Das Wärmeplanungsgesetz regelt dabei genau, welche Daten in welcher Form abgefragt und weitergegeben werden dürfen. Durch eine Aggregation der Daten wird sichergestellt, dass keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden. Auch bei der finalen Veröffentlichung des Wärmeplans sind die Ergebnisse in Baublöcken darzustellen, sodass keine Rückschlüsse auf das Verbrauchsverhalten von einzelnen Personen möglich sind.
Reale Verbrauchswerte von Gas- und Wärmenetzbetreibern werden abgefragt, damit die Wärmeplanung auf einem möglichst genauen Bild der Ist-Situation aufbaut. Neben Verbrauchsdaten werden auch Daten von Netzbetreibern zur bestehenden Infrastruktur und Schornsteinfegerdaten zu bestehenden dezentralen Heizungsanlagen abgefragt. Für die integrierte Energiebetrachtung sind darüber hinaus Informationen zu Energieinfrastrukturen, erneuerbaren Potenzialen und sektorübergreifenden Entwicklungen relevant. Auch hier ist durch Aggregation der Daten ein Personenbezug zu vermeiden.
Diese „Realdaten“ im Zusammenspiel mit öffentlichen Daten aus bspw. Zensus, Energieatlas, Flächennutzungsplan, Schutzgebieten, erneuerbaren Potenzialen und weiteren kommunalen Daten machen es möglich, ein sehr nahes Abbild der Stadt Haan als Berechnungsgrundlage zu modellieren. Die im Detail zu ermittelnden Daten und Möglichkeiten zur Erhebung werden in den länderspezifischen Gesetzen näher definiert.
In NRW können leitungsgebundene Gas- und Wärmeverbräuche als Jahresmittel der letzten drei Jahre erhoben werden. Dies gilt ebenso für Daten zu dezentralen Wärmeerzeugungsanlagen der Schornsteinfeger, zu Prozesswärmeverbräuchen und unvermeidbarer Abwärme angefragter Unternehmen sowie zu Energienetzen, Abwassernetzen und Erzeugungsanlagen der lokalen Netzbetreiber.
Auf welche Erneuerbaren Energien wird die zukünftige Wärme- und Energieversorgung aufgebaut?
Die zukünftige Wärmeversorgung soll auf Erneuerbaren Energien wie Geothermie, Umweltwärme, Abwasserwärme, Solarthermie, Photovoltaik, Biomasse, grünem Methan, grünem Wasserstoff und Abwärme aus Industrie und Gewerbe beruhen. Im Rahmen der integrierten Betrachtung werden diese Wärmequellen mit Fragen der Stromerzeugung, Netzinfrastruktur und Sektorenkopplung zusammengedacht.
Was gilt laut Wärmeplanungsgesetz als unvermeidbare Abwärme?
Als unvermeidbare Abwärme gelten nach der „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“ alle Wärmeerträge, die innerhalb einer industriellen oder gewerblichen Anlage, bzw. im tertiären Sektor (sowie Rechenzentren), anfallen und ungenutzt in die Umgebung geleitet werden. Sie gelten dabei als unvermeidbar, wenn aus wirtschaftlichen oder sicherheitstechnischen Gründen diese im Prozess nicht nutzbar sind und mit vertretbaren Effizienzmaßnahmen nicht vermieden werden können.
Was bedeutet die Kommunale Wärme- und Energieplanung für Sie?
Die kommunale Energie- und Wärmeplanung soll eine nachhaltige, effiziente und zukunftsorientierte Wärmeversorgung ermöglichen und zugleich Orientierung für die breitere Energiewende vor Ort geben. Doch was bedeutet das konkret für die Menschen in Haan und welchen Nutzen ziehen sie daraus?
1. Plan für klimaneutrale Wärme- und Energieversorgung: Durch eine durchdachte kommunale Wärme- und Energieplanung können lokale Energiequellen effizient genutzt und Transformationspfade nachvollziehbar bewertet werden. Ziel ist es, die standortspezifisch besten Lösungen für Haan zu identifizieren und im Wärmeplan festzuhalten. Berücksichtigt werden unter anderem Solarenergie, Biomasse, Umweltwärme, Geothermie und unvermeidbare Abwärme. Die integrierte Betrachtung bietet Orientierung für Fragen zur Wärmeversorgung, Gebäudesanierung und weiteren Investitionen in Energietechnologien.
2. Aufzeigen von Möglichkeiten für Wärmeversorgungsgebiete: Auf Basis technischer und wirtschaftlicher Untersuchungen werden die besten Wärmeversorgungsoptionen für unterschiedliche Quartiere untersucht und voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete ausgewiesen. In einzelnen Bereichen können Abwärmepotenziale, Umweltwärme oder andere lokale Quellen für ein Wärmenetz sprechen. In anderen Gebieten kann eine dezentrale Versorgung, beispielsweise durch Wärmepumpen oder andere erneuerbare Heizsysteme, sinnvoller sein.
3. Wirtschaftlichkeitsvergleiche und integrierte Bewertung: Bei der Untersuchung der Transformationspfade spielen neben technischen und ökologischen Aspekten auch wirtschaftliche Faktoren eine entscheidende Rolle. Betrachtet werden Betriebs- und Investitionskosten unterschiedlicher Heizungstechnologien im Vergleich zu netzgebundener Wärmeversorgung. Zusätzlich werden Sanierungsmaßnahmen, Energiepreisannahmen und mögliche Infrastrukturfolgen berücksichtigt. Durch die integrierte Perspektive können auch Wechselwirkungen zwischen Wärme, Strom und lokalen Energieinfrastrukturen eingeordnet werden. Förderfähig sein können unter anderem:
- Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle
- Anlagentechnik (außer Heizung)
- Anlagen zur Wärmeerzeugung (Heizungstechnik)
- Maßnahmen zur Verbesserung der Anlageneffizienz
- Maßnahmen zur Emissionsminderung bei Biomasse-Heizungen
4. Partizipation und Transparenz: Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie weiterer lokaler Akteure. Durch Transparenz und Beteiligungsformate können Hinweise aus der Praxis aufgenommen und lokale Bedürfnisse besser berücksichtigt werden. Die kommunale Wärme- und Energieplanung ist somit mehr als eine technische Fachplanung: Sie verbindet die gesetzlich geforderte Wärmeplanung mit einer ganzheitlichen Perspektive auf die Energiewende in Haan und schafft Orientierung für kommende Entscheidungen.
Aktueller Stand
Das Projektteam führt derzeit die Bestandsanalyse durch. Dabei werden Daten zur heutigen Wärmeversorgung, zum Gebäudebestand, zu Energieverbräuchen, Versorgungsstrukturen und lokalen Rahmenbedingungen zusammengetragen.
Parallel werden relevante Schnittstellen zu Strom, erneuerbaren Energien, Netzen und weiteren Energieinfrastrukturen betrachtet, damit von Beginn an ein ganzheitliches Verständnis der aktuellen Situation in Haan entsteht.
In dem Zusammenhang werden aktuelle alle relevanten Daten angefragt, auch die lokale Industrie soll in Kürze angeschrieben werden. Beteiligungsformate sind in Vorbereitung