„StadtGrün naturnah“: Stadt Haan mit dem Silber-Zertifikat für naturnahe und klimaangepasste Grünflächen ausgezeichnet
Die Stadt Haan ist am 22. September 2026 in Frankfurt am Main mit dem Label „StadtGrün naturnah" des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt e. V." (Kommbio) in der Stufe Silber ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung würdigt die naturnahe, artenreiche und klimaangepasste Pflege der städtischen Grünflächen und damit vor allem die Arbeit des Betriebshofs „Bereich Stadtgrün“ der vergangenen Jahre.
Was bedeutet naturnahes Grün?
Ein kurz geschnittener, gleichmäßig grüner Rasen sieht ordentlich aus, Tieren und Pflanzen bietet er aber kaum Lebensraum. Auch Beete mit Blumen, die nur eine Saison halten, bringen der Natur wenig. Naturnahe Grünflächen sind das Gegenteil: Wiesen dürfen blühen, Wildkräuter dürfen wachsen, Flächen werden seltener gemäht. So finden Insekten Nahrung, auch Vögel finden Futter, und der Boden bleibt in Hitze- und Trockenperioden länger feucht.
„Gerade in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels ist das wichtig“ erläutert Marvin Slembeck, Klimaanpassungsmanager der Stadt Haan. „In heißen, trockenen Sommern verbrennt kurzer Rasen schnell. Bleiben Wiesen hingegen stehen, schützen sie den Boden und kühlen die Luft – denn je mehr Grün sich bildet, desto angenehmer bleibt das Klima in der Stadt“. Und wer Zeit zwischen Blumen und summenden Bienen verbringt, merkt schnell: Naturnahes Grün tut auch der Seele gut.
Naturnahe Pflege heißt aber nicht, alles sich selbst zu überlassen. Der städtische Betriebshof wägt sorgfältig ab. Oft wird beispielsweise nur ein schmaler Randstreifen entlang der Wege gemäht, der sogenannte „Toleranzstreifen“ stellt einen Übergang zwischen Wildnis und gepflegter Parkanlage dar. Die Fuß- und Fahrradwege bleiben frei von grün und die artenreichen Wiesen können blühen. Solche Fragen prüft das Team der engagierten Gärtner_innen laufend und entscheidet mit Augenmaß.
Auszeichnung für langjährige naturnahe Arbeit
Mit dem Silber-Zertifikat „Stadtgrün naturnah“ erhält die Stadt Haan die offizielle Anerkennung für einen Weg, den sie über viele Jahre konsequent verfolgt hat: Bereits seit 2022 ist sie Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ und hat die Grünflächen zunehmend in Richtung naturnahe Gestaltung, Biodiversität, Artenschutz und Klimaanpassung weiterentwickelt. Im Rahmen des Zertifizierungsprozesses wurden der Entwicklungsstand erstmals systematisch erfasst und damit auch ein Blick auf die vielen bereits umgesetzten Maßnahmen geworfen – kleine und große Leuchttürme für biologische Vielfalt in der Gartenstadt. Ein besonderer Dank gilt dem Betriebshof, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die naturnahe Pflege mit großem Engagement und Fachwissen umgesetzt und den Zertifizierungsprozess unterstützt haben.
Bürgermeister Vincent Endereß: „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, vor allem, weil sie die engagierte Arbeit unseres Amtes für Umwelt, Freiflächen und Stadtgrün würdigt. Naturnahes Grün ist gut für die Artenvielfalt, das Stadtklima und damit auch für die Menschen in Haan. Diesen Weg wollen wir Schritt für Schritt weitergehen und stimmen in den Fachausschüssen die notwendigen haushälterischen und personellen Konsequenzen ab.“
Wertvolle Lebensräume im gesamten Stadtgebiet
Besonders hervorgehoben wurden im Zertifizierungsverfahren die ausgedehnten extensiven Wiesenflächen, beispielsweise im Haaner Bachtal und auf der Bürgerobstwiese. Peter Kannemann, Meister am Betriebshof, der die naturnahe Entwicklung in Haan über Jahre maßgeblich geprägt und begleitet hat, erklärt: „Viele Wiesen in Haan werden bewusst nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht. Das nährstoffreiche Mähgut – also das geschnittene Gras – wird eingesammelt und abtransportiert.
Das ist mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden, hat aber einen guten Grund: Nur so kann der Boden allmählich ausmagern und wertvolle Blumen und Kräuter können sich durchsetzen. Über die Jahre sind so artenreiche Flächen entstanden, die zugleich wichtige Erholungsräume für die Menschen sind.“
Auch die Bachtäler haben sich zu wertvollen Lebensräumen entwickelt, also zu Orten, an denen bestimmte Tiere und Pflanzen ein Zuhause finden. Weitgehend ungestört konnten hier über lange Zeit vielfältige Strukturen wachsen. Begleitet wird das fachlich: Seit über einem Jahr betreut ein eigener Baumfachmann (Arborist) den städtischen Baumbestand und die Haaner Wälder. Er sorgt neben der Straßensicherheit dafür, dass sich Flächen, die der Natur überlassen werden, gut entwickeln können.
Ein weiteres Markenzeichen sind die Totholz-Lebensräume. Vor allem die stehen gelassenen toten Weiden stehen für die wertvolle Natur im Stadtgebiet. Was auf den ersten Blick unaufgeräumt wirkt, ist in Wahrheit besonders artenreich – ein Zuhause für Insekten, Pilze und für Vögel, die in Baumhöhlen brüten.
Umdenken braucht Zeit und Erklärung
Naturnahe Pflege verändert nicht nur die Flächen, sondern auch den Blick darauf. Deshalb setzt Haan aktiv auf Umweltbildung und Aufklärung in einfacher Sprache. Schilder erklären zum Beispiel die „Totholzgabionen" – mit Totholz gefüllte Drahtkörbe, die ein Lebensraum für Kleinstlebewesen sind und keine „Kisten für Altholz“. Auch der Unterschied der wertvollen „mineralischen Mulchung" am Kreisverkehr vor der Haaner Felsenquelle und den längst verbotenen Schottergärten wird klargestellt: eine Schicht aus Steinen und Splitt hilft trockenheitsverträglichen Pflanzen dabei, an diesem extremen Standort zu überleben und zu gedeihen.
Alles eine Frage der Perspektive, dies zeigt sich auch bei der Benennung von ein und dergleichen Pflanze. Aus „Unkraut" werden „Wildkräuter": Pflanzen, die vielen Insekten nützen und oftmals auch dem Menschen – denken wir an Brennnesseltee oder andere nahrhafte (Heil¬)-Pflanzen, die im heimischen Garten oft eher unerwünscht sind. Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu eben diesen Themen und Fragestellungen ist fester Teil des städtischen Maßnahmenplans.
Naturnahe Entwicklung geht weiter
Die Auszeichnung ist für Haan kein Schlusspunkt, sondern Rückenwind. Wie es konkret weitergeht, berät der Umwelt- und Mobilitätsausschuss (kurz: UMA) in den kommenden Monaten mit Blick auf die haushälterischen und personellen Konsequenzen: Dann steht der Maßnahmenplan zur naturnahen Grünpflege auf der Tagesordnung, der das Herzstück des neuen Grünpflegekonzepts der Stadt ist. Fest steht schon jetzt: Haan will die naturnahe Pflege Schritt für Schritt weiter in die Routine einbinden – gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Weitere Informationen zum Label „StadtGrün naturnah“ finden Sie unter: https://kommbio.de/label/
Foto Stadt Haan: Klimaanpassungsmanager Marvin Slembeck (3. v. l.) nimmt stellvertretend für die Stadt Haan in Frankfurt am Main die Silber-Auszeichnung von Robert Spreter (4. v. l.), Geschäftsführer der Kommunen für Biologische Vielfalt, entgegen. Alexander Petzel (1. v. l.) und Uwe Messer (2. v. l.) von den Kommunen für Biologische Vielfalt begleiteten die Stadt Haan auf dem Weg zur Zertifizierung.